Hans und Gretel Ballade

Frei nach den Gebrüdern Grimm


 

 

Es ist geschehen vor vielen Jahren
Das einst die Kinder Hans und Gretel waren.
Sie hatten weder noch Fleisch noch Brot
Vater, Mutter, Kind in Not

Da die list’ge Rabenmutter riet
Die Kleinen aussetzen im tiefsten Waldgebiet
Das sie nimmermehr kehr’n zurück
uns so ebnen ihr und des Holzfällers Glück

Doch Hänsel, war gar nicht dumm,
hörte dies und lauschte dem stumm
„schnell Gretel wach auf geschwind
Vater will schicken uns fort, das uns niemand mehr find.“
Gretel vor Angst schon die Tränen kamen
„Oh, Hänsel, ’s is unser End in Gott’s Namen“
„I wo“ ihr entgegnete Hänsel gescheit
„Wir müssen nur machen uns früh g’nug bereit
Geh g’schwind mit hinunter vors Haus,
Die werden staunen“ und ging hinaus

Dort stahl er ein dutzend schneeweiße Steinchen
Und schnellte zurück auf flinken Beinchen

Des Morgens der Vater, betrübt sah er aus
Hans und Gretel ein Brot gab zur Jaus
„Folgt mir“ sprach er, und fügt noch hinzu leise Wort
“Passt gut auf und vergesst, nicht den Ort“

Zusammen gingen sie tief in den Wald hinein
Hänsel, geschickt ließ fallen die Stein’
Und als im Dickicht kaum Licht war zu sehen
Ließ Vater sie einfach dort stehen
Er eilte voll Scham zurück in das Haus
Wo schon schaute die Mutter reu’los heraus

Die Kinder nun brauchten nur folgen der Spur
Und schnurstracks sie standen daheim schon im Flur
Der Vater voll glück konnt’s kaum erfassen
Die Mutter jedoch wollt’s nicht so steh’n lassen

Sie schicke drum am nächsten Morgen
Hänsel und Gretel schnell zu „entsorgen“
Doch diesmal Hänsel sie nicht überlist
Sie bei den Steinen sehr aufmerksam ist

Gretel wieder begann zu weinen
Doch Hans wusste Rat auch ohne den Steinen
Er ließ kleine Brotbröckchen liegen
Das sie auch wissen wo sie solln zur richt’gen Zeit abbiegen

Doch Hänsel und Gretel ihr armen Recken
Habt ihr vergessen wie gern Vögelchen Brotkrümel pecken?

 

 

Als sie voll Zuversicht wollten wieder nach Haus
Waren die Krümelein schon gefressen von Vogel und Maus
Nun standen sie da in bitterkalter Nacht
Im Finstern und nichts stand in ihrer Macht

„Doch da, in der Ferne, Hans siehst du nicht?“
Gretel rief voller Hoffnung, sie meinte das Licht

Schnell rannten die beiden, sie kannten kein halten
Das war ein Häuschen mit Giebel und Balken
Und standen die beiden ganz nah
Sie merkten, dass das Haus ganz aus Lebkuchen war
Sie aßen und schlemmten schnurstracks
Da plötzlich machte ein Küchelein „knacks“

Da sprach eine Stimme von innen ganz leis’
„Knusper, knäuschen, wer ist der da knuspert und speis’“
Die Kinder entgegneten ihr geschwind
„Der Wind, der Wind das himmlische Kind“
Doch die Stimm ließ sich nicht beirren
Sprang aus dem Haus eine Hexe mit Krachen und Klirren
Packte die beiden mit festen Griffe
Und ließ von sich los gar schaurige Pfiffe

Hänsel, oh weh dir, sie wollte dich braten
In was seit ihr Unglücklichen da hineingeraten

Die Alte fütterte Hänsel und wollte
Das er schön Fett werden sollte
Gretel dagegen lief keine Gefahr
Sie sollt ihr nur helfen im Haushalt für wahr

Hänsel, der kluge Kerl wurde nicht fetter,
so glaubte die Hexe, und wurd deswegen nicht netter
Hans nämlich steckte der prüfenden Alten
Steht’s ein knorriges Stöckchen aus dem Käfig zum halten

Als ihr dann eines Tag’s der Geduldsfaden riss
Wollt sie ihn trotzdem, obwohl sie nicht gern ins Magere biss
Als die Hexe jedoch in den Ofen reinschaute
Gab Gretel ihr einen Schubs, den ihr niemand zutraute

Und als dann die Hexe im Feuer verbrannte
Hans und auch Gretel mit Schätzen nach Hause rannte
Da wartete Vater voll Reue und Gram
Doch als er sie sah sein Lächeln zurück er bekam

Die Stiefmutter längst war gestorben,
Das doch hat niemand die Laune verdorben

Sie mussten nicht leiden mehr bittere Not
Alles war wieder im Lot
So waren sie glücklich alle am End
Und im Kamin flackernd ein Feuerchen brennt...

Christian Tomsits