Als sie voll Zuversicht wollten wieder nach Haus
Waren die Krümelein schon gefressen von Vogel und Maus
Nun standen sie da in bitterkalter Nacht
Im Finstern und nichts stand in ihrer Macht
„Doch da, in der Ferne, Hans siehst du nicht?“
Gretel rief voller Hoffnung, sie meinte das Licht
Schnell rannten die beiden, sie kannten kein halten
Das war ein Häuschen mit Giebel und Balken
Und standen die beiden ganz nah
Sie merkten, dass das Haus ganz aus Lebkuchen war
Sie aßen und schlemmten schnurstracks
Da plötzlich machte ein Küchelein „knacks“
Da sprach eine Stimme von innen ganz leis’
„Knusper, knäuschen, wer ist der da knuspert und speis’“
Die Kinder entgegneten ihr geschwind
„Der Wind, der Wind das himmlische Kind“
Doch die Stimm ließ sich nicht beirren
Sprang aus dem Haus eine Hexe mit Krachen und Klirren
Packte die beiden mit festen Griffe
Und ließ von sich los gar schaurige Pfiffe
Hänsel, oh weh dir, sie wollte dich braten
In was seit ihr Unglücklichen da hineingeraten
Die Alte fütterte Hänsel und wollte
Das er schön Fett werden sollte
Gretel dagegen lief keine Gefahr
Sie sollt ihr nur helfen im Haushalt für wahr
Hänsel, der kluge Kerl wurde nicht fetter,
so glaubte die Hexe, und wurd deswegen nicht netter
Hans nämlich steckte der prüfenden Alten
Steht’s ein knorriges Stöckchen aus dem Käfig zum halten
Als ihr dann eines Tag’s der Geduldsfaden riss
Wollt sie ihn trotzdem, obwohl sie nicht gern ins Magere biss
Als die Hexe jedoch in den Ofen reinschaute
Gab Gretel ihr einen Schubs, den ihr niemand zutraute
Und als dann die Hexe im Feuer verbrannte
Hans und auch Gretel mit Schätzen nach Hause rannte
Da wartete Vater voll Reue und Gram
Doch als er sie sah sein Lächeln zurück er bekam
Die Stiefmutter längst war gestorben,
Das doch hat niemand die Laune verdorben
Sie mussten nicht leiden mehr bittere Not
Alles war wieder im Lot
So waren sie glücklich alle am End
Und im Kamin flackernd ein Feuerchen brennt...
Christian Tomsits |